altmarkgeschichte

Datenbank Historischer Grabmäler der Altmark





Joachim Annisius

Bürgermeister, Jurist

Sterbedatum:
01.07.1709
Ort:
Salzwedel
Standort:
Katharinenkirche
GPS:
11.155323 - 52.855579

Beschreibung:
Zustand:
Das Erbbegräbnis ist, wie die gesamte Westhalle der Katharinenkirche, im Jahre 2011/12 u. a. mit Mitteln der Deutschen Stiftung Denkmalschutz restauriert worden.

Gestaltung:
Zu beiden Seiten der schweren eichenen Tür stehen marmorisierte Säulen, die ein Gesims tragen. Darüber erhebt sich ein in üppiger barocker Pracht gestalteter Giebel. Säulen, Gesimse, Akanthusblätter, Engelsköpfe und Muscheln bestimmen das Erscheinungsbild. Ein zentraler Lorbeerkranz enthält die erhabene Inschrift, über der zwei Wappen angeordnet sind (links Annisius: ein Pflanzentrieb mit drei runden Blättern/Früchten befindet sich im Schild und über dem Helm; rechts Gercke: quergeteilter Schilt, in der unteren Hälfte drei Blumen, über dem Querbalken drei nebeneinanderstehende Blüten, eine Blume mit fünf Blüten zwischen einem Büffelhornpaar steht über dem Helm).

Inschrift:
Annisische
Erb begrabnis

Joachimus Annisius
Burgermeister dieser Neu
stadt wie auch Hoch Frey
herlicher Schulenbur„
gischer gesambt Richter
und qvartal gerichts
Advocatus ist gebohre
den 20 jan: 1654:
und Seelig gestorben
den 1 july 1709

Anna Annisin
Gebohrne gericken
ist gebohrenden 7ten Decembris
1659
und Seelig gestorben den 30ten Juny
1731.

Christus spricht
Ich lebe, und ihr solt auch leben
Joh: 14 V: 19.

Anmerkung:
Vgl. Volksstimme vom 8. November 2013, Artikel von Fabian Laaß: „Ein erfolgreicher Anwalt und Neustädter Bürger Salzwedel In den Gotteshäusern der Hansestadt sind zahlreiche Grabsteine zu finden. Die Volksstimme-Serie „Salzwedeler Kirchengräber“ beleuchtet die Personen, die in den Kirchen beigesetzt wurden. Heute: Joachim Annisius. Betritt man die Salzwedeler Katharinenkirche durch den sanierten Westeingang, findet man das Grabmal der Familie Annisius gleich auf der linken Seite. Die im Barockstil errichtet Grabstätte enthält im Innern zwei Kammern mit je vier Särgen, wovon einer offen steht. Die Grabtafel zeigt sowohl das Wappen der Familien Annisius, als auch das der Familie Gercken. Joachim Annisius wurde am 20. Januar 1654 in der Salzwedeler Neustadt geboren und getauft (Anhand des Kirchenbuches ist dieser Fakt, auch für die Altstadt, nicht zu belegen, Frank Moldenhauer). Über seine Kindheit gibt es nur wenige Informationen. Nach einem Jura- Studium in Jena arbeitete er als Advokat in der Salzwedeler Neustadt bevor er an das Altmärkische Quartalsgericht in Stendal berufen wurde. Ab 1682 war er im Rat der Neustadt tätig, übernahm 1682 das Amt des Ratskämmerers und wurde später Neustädter Bürgermeister. Die Freiherren von der Schulenburg übertrugen Joachim Annisius die Administration ihrer gesamten Gerichte und belehnten ihn zum Dank. Verheiratet war er mit Anna Gercken. Durch sie gehört die Familie zur Gerckenschen Familienstiftung. Die Trauung fand am 14. Januar 1679 in Salzwedel statt. Das Paar hatte insgesamt acht Kinder, wobei ihnen das Glück nicht immer hold war. Vier Kinder verstarben vor dem Tod des Vaters. Die Kinder Valentin Nicolaus (geb. 1680), Ilsabe Emerentia (geb. 1683) und Ilsabe Dorothea (geb. 1691) und Jacob Friedrich (Geburtsdatum unbekannt) verstarben noch vor ihren Eltern. Ihre Tochter Marie Elisabeth heiratete den späteren Salzwedeler Bürgermeister Dietrich Herrmann Chüden. Joachim Annisius starb am 1. Juli 1709 im Alter von 55 Jahren in Salzwedel. Begraben wurde er sechs Tage später am 7. Juli. Die Familien Annisius und Gercken veranlassten den Bau der Begräbnisstätte im Westteil der Katharinenkirche. Anna Gercken verstarb am 30. Juni 1731 und wurde neben ihrem Mann beigesetzt. Der letzte Sprössling des Annisiusschen Stammes ließ sich übrigens nicht dort begraben. Er zog eine Erdbestattung vor.“
Im Kirchenbuch der Katharinenkirche wurde 1709 dokumentiert: „Tit: Herr Joachimus Annisius gewesener hochmeritirter Bürger Meister der Neüen Stadt hieselbst, wie auch Alt Märckl: quartal-Gerichts Advocatus und hochverordneter Freyherrl: Schulenbl: Gesambt Richter, natus den 20 Jan: 1654. gestorben den 1 July früh üm 4 Uhr und begraben den 7 dito war der 6 Sontag p. Trinitatis, in sein neü erbautes Erb = Begräbnüs“. 1731 steht zu lesen: „Frau: Anna Gercken, Seel: Herr Bm: Joachimus Annisien gewesenen hochmerirten Bürgermeister in der Neüenstadt hieselbst wie auch alt Märckl: quartal gerichts Advocatus und hochverordneter Fredyherrl: Schulenburgischer Gesambt Richter nach gelaßene Frau Witwe ist gestorben im 72ten Jahre ihres alters und begraben d 8 July abens mit vollen geleüte“. Anna Gercke war die Tochter des Valentin Gercke in Salzwedel.

Lage:
Das Erbbegräbnis steht in der Westhalle der Kirche nördlich vom Westportal. Es ist das Südliche von zwei fast baugleichen Beinhäusern.

Text und Foto:
Frank Moldenhauer, Magdeburg 2018