altmarkgeschichte

Datenbank Historischer Grabmäler der Altmark





Lucas Wittekop

Kalandsherr

Sterbedatum:
01.05.1567
Ort:
Salzwedel
Standort:
Marienkirche
GPS:
11.149012 - 52.849592

Beschreibung:
Zustand:
Die Grabplatte aus Sandstein ist vertikal in zwei Hälften zerlegt worden. Die Oberfläche besitzt etliche Blessuren und ist teilweise abgetreten. Zum Zeitpunkt der Begutachtung war die Platte zum Großteil mit einem aus Tonziegeln gelegten Kreuz überdeckt, das als Kerzenhalter dient.

Dekor:
Der gekerbte Schriftzug auf dem Rand ist mit gekerbten Linien eingefasst. Gezeigt wird die Ritzzeichnung eines Mannes, der unter einem von zwei Säulen gestützten Bogen platziert ist. Unter seinen Füßen sind die Reste eines Wappens zu erkennen. Der Scheitelpunkt des Torbogens ist mit einer Lilie dekoriert, die wie das Wappen über den Schriftzug des Randes hinausragt.

Schriftzugumlauf auf dem Rand:
Anno ∙ d ∙ : 15
67 DEN ∙ 1 MAI ∙ IN Chr̅o obiit venerabilis dn̅s ∙
lucas ∙ witte
kop
cviv(s) (anima?) reqviescat ∙ in ∙ pace amen

Anmerkung:
Lucas Wittekop war Mitglied einer im 16./17. Jahrhundert in der Altstadt nachweisbaren Ratsfamilie. Noch 1561 wurde er gemeinsam mit zwei weiteren Geistlichen als Kalandsherr erwähnt. Der sogenannte Große Kaland war eine geistliche Bruderschaft wohlhabender Bürger an der Marienkirche (Mitteilung Steffen Langusch 2018, Stadtarchivar Salzwedel). Mit der Reformation (1541 in der Doppelstadt Salzwedel) kam auch das Ende dieser Vereinigungen.
Vgl. Danneil „Kirchengeschichte der Stadt Salzwedel“, Halle C. A. Schwetschke und Sohn, 1842, S. 89ff: „ Die geistlichen Vicarien, Lehen und Commenden in dieser Kirchen seint wie folget: (…) 28. Vicaria Martini, Collatores der Rath; Haus, Kelch, Patene, hat einzukommen 11½ Gulden und 1 Orth, helt Er Lucas Wittekop, residirt dabey. 29. Comm. Innocentium, Coll. die Wittekope; Kelch, Patene, hat einzukommen 2 Wspl. Roggen 5 Gulden, helt Er Lucas Wittekope“.
Vgl. Danneil „Kirchengeschichte der Stadt Salzwedel“, Halle C. A. Schwetschke und Sohn, 1842, S. 255f: „Stipendien für Studirende. Die Mehrzahl der Stipendien entstand bei der Reformation. Die meisten Familien, welche Patrone von Commenden waren, zogen dieselben zurück und formten sie zu Familienstipendien um. Nach den Bestimmungen der Visitatoren aber sollte kein Patron ein Stipendium vergeben, ohne Churfürstl. Erlaubniß. Dieser Consens ward leider nicht immer eingeholt, denn die Vorschrift wird in den folgenden Recessen stets wiederholt, zuletzt sogar mit Androhungen. Leider ließ es der Rath, dem die nächste Aufsicht anvertrauet war, an Thätigkeit für diesen Theil der Verwaltung fehlen. Die Folge davon war, daß eine verhältnißmäßig große Anzahl von Stipendien ganz verloren gegangen ist. (…) 2. Das Wittekopsche. Die Familie Wittekop war die Gründerin der Commende Innocentium (Anh. zum Vis. = Rec. von 1541. Comm. Nr. 29). Ein naher Verwandter der Familie, Arndt Mechow, hatte die Commende Matthiae (Verz. der Comm. im Anhang zum Rec. von 1541. Nr. 19) gegründet. Zur Zeit der Reformation lebt der letzte Descendent des Stifters Dietr. Mechow. Nach dessen Tode sollte die Collatur auf den großen Kaland und auf Einen aus dem Geschlechte der Mechow´s übergehen. Die Wittekoppe, die nächsten Geschlechtsverwandten, brachten von dem großen Kaland das Patronatsrecht an sich und versuchten auch diese Commende Nr. 19 der Familie zu erhalten und sie mit der ersten, Nr. 29, die ihnen bei der Visitation 1541 bereits zurückgegeben war, zu einem Stipendium zu bestimmen. Sie erreichten 1553 ihren Zweck, indem Churfürst Joachim II. auch dies Lehn aus dem Gemeindekasten zu trennen und den Wittekop‘s zu übergeben befahl, denen auch die alleinige Collatur gehören sollte (Ungedr. Urk. im Stadtarchiv 10, 58). Beide Commenden trugen jährlich 3 Wspl. 3 Schffl. Roggenpacht und 8 Fl. 1 ßl. Renten. Nach dem Recess von 1579 genoß ein Glied der Familie das Stipendium, 1600 aber hatte man schon keine Nachrichten davon mehr. Es ist ganz verloren gegangen.“

Lage:
Die Grabplatte liegt in der westlichen Seitenkapelle des nördlichen Seitenschiffes. Ihr oberes Ende weist nach Süden.

Text:
Frank Moldenhauer, Magdeburg 2018

Fotos:
Prof. Dr. Karl Heinz Priese (†) 2013; Frank Moldenhauer, Magdeburg 2017