altmarkgeschichte

Datenbank Historischer Grabmäler der Altmark





Ernst Heinrich Campe

Buchhändler

Sterbedatum:
00.00.1735
Ort:
Gardelegen
Standort:
Marienkirche
GPS:
11.394657 - 52.524711

Beschreibung:
Zustand:
Die oberste Schicht des Schriftfeldes ist stark mechanisch beansprucht. Eine großflächig abgeplatzte dünne Schicht wurde mit einem Mörtelanstrich ausgeglichen. Dadurch ist die Inschrift größtenteils nur noch schemenhaft erkennbar bzw. zu erahnen.

Dekor:
Die Grabplatte besitzt einen schmalen, erhabenen Rand. Die Schrift ist ebenfalls erhaben. Der obere Abschluss der Grabplatte aus Sandstein ist durch eine geschwungene Linienführung, an die sich zwei Akanthus-Ranken anschmiegen, aufgelockert. Dazwischen ist ein Wappen angeordnet, das im Schild einen abgewinkelten Balken zeigt, um den drei Lilien zwei zu eins angeordnet sind. Der Helm wird ebenfalls mit drei nebeneinanderstehenden Lilien bekrönt, von denen die Mittlere eine etwas erhöhte Stellung hat. Dazwischen sind die Initialen „E“, „H“ und „C“ angebracht. Über dem Wappen steht eine Hausmarke. Dieselbe Marke befindet sich auch auf der Grabplatte des im Jahre 1600 verstorbenen Gardeleger Bürgermeisters Heinrich Lorenz.

Inschrift:



Herr E… HEINRICH CAMPEN
Königlich P… …er
in der Altmarck
welcher gebohren zu Walbeck … 16…5 … May.
Verheiratet Zum ersten mahl 1712 den …Augl.
mit
Frau ANNA ELISABET(H) SOPHIE(?) geb. WEBERN


Frau D… …EN
a… …



Anmerkung:
Enders „Die Altmark“ S. 912f „Der Buchhändler (im älteren Sprachgebrauch „Buchführer“) Ernst Heinrich Campe war 1708 zur Anlegung eines Buchladens in einer altmärkischen Stadt berechtigt worden. Das Privileg wurde 1713 auf Rat des Landeshauptmanns, daß derzeit in der Altmark nur ein Buchführer werde subsistieren können, renoviert und auf Campe privative ausgefertigt. Demnach durfte nur er in Stendal, Tangermünde und Salzwedel einen freien Buchhandel und Laden einrichten und allerhand gute, nützliche Bücher und Materien aller Facultäten, freien Künste und Sprachen, Kupferstiche und Landkarten innerhalb und außerhalb der öffentlichen Jahrmärkte verkaufen; er war von allen öffentlichen Lasten befreit.“ In einer Fußnote erklärt Enders, dass sie keinen Beleg dafür fand, dass es lt. Beckmann („Historische Beschreibung der Chur und Mark Brandenburg“ IV. Kap. S. 53) seit 1708 eine privilegierte Buchhandlung für die Altmark in Gardelegen gegeben hat.
Folgende Funde belegen Campes buchhändlerische Tätigkeit in Gardelegen und grenzen das Sterbedatum von ihm und seiner ersten Ehefrau etwas ein:
Magdalena Barbara Dralle geb. Linde verkauft Ländereien an ihre Stiefeltern Ernst Heinrich Campe und Anna Elisabeth Weber (vgl. Landesarchiv Sachsen-Anhalt Db Gardelegen I Nr. 2 S. 918 – 920, vom 29.9.1722). Campe beaabsichtigt, die Verlängerung des ihm am 4. September 1708 auf 20 Jahre erteilten Privilegs zu erwirken. Deswegen erhält er auf Ansuchen vom Bürgermeister der Stadt Gardelegen ein Attest, in dem ihm bescheinigt wird, dass er „alhier einen offenen, und mit allerhand guten und nützlichen Materien versehenen Buchladen bishero alleine gehalten auch unsers wißens Niemanden übersetzet noch deshalb bey uns einige Klage eingebracht worden“ (vgl. Landesarchiv Sachsen-Anhalt Db Gardelegen I Nr. 3 S. 422 – 424, vom 14.7.1728).
Ernest Heinrich Campe, königlich privilegierter Buchhändler vornehmer Bürger und Brauer in Gardelegen, wird 1735 in einer Geldverleih-Sache genannt (vgl. Landesarchiv Sachsen-Anhalt Db Gardelegen I Nr. 4 Bl. 137R).
Campe wurde als Sohn des Kantors Rudolph Campe und dessen erster Ehefrau Anna Elisabeth Sprockhof in Walbeck/Aller geboren und am 11. März 1675 in der dortigen Kirche getauft.

Lage:
Die Grabplatte steht innerhalb der Kirche an der Wand südlich des Turmes.

Foto:
Frank Moldenhauer, Magdeburg 2017