altmarkgeschichte

Datenbank Historischer Grabmäler der Altmark





Heinrich Laurentz

Bürgermeister, Gerichts-Assessor

Sterbedatum:
10.04.1600
Ort:
Gardelegen
Standort:
Marienkirche
GPS:
11.395096 - 52.524903

Beschreibung:
Zustand: Die Grabplatte aus Sandstein ist vollständig erhalten.

Dekor:
Die Schrift ist gekerbt. Der Schriftzug auf dem Rand wird von zwei gekerbten Linien gesäumt. Ebenso sind die beiden übereinander angeordneten Textfelder gefasst. Den Raum Zwischen dem Rand und den Textfeldern füllt reicher Voluten-Zierrat im Zeitgeschmack der Renaissance, in den zwei nebeneinanderstehende, ovale Kartuschen, die Hausmarken zeigen, integriert sind. Die linke Marke trägt zudem die Initialen „H L“ und die Rechte „C I“, womit auf die Witwe des Verstorbenen, Catharina Jacobs, verwiesen wird, deren Grabplatte sich unmittelbar nördlich anschließt. Die beiden Kartuschen werden seitlich von drei rechteckigen Zier-Ornamenten begleitet, die dieselben Initialen „H“, „L ∙ C“ und „I“ tragen.

Inschrift
Schriftzugumlauf auf dem Rand:

Sein letztes gebet. Der fromme Gott wolle aus dieser kranck =

heit mich gnedig lieb erretten, oder wolle in das Creutze lindern Gedult und trost geben oder da

es ia sein gnediger wille ist, das ich vnter dem

Creutze bleiben sol so wolle Er mir die Ewige Freude vnd sehligkeit geben. Amen.

Textfeld:
Der Ehrenvester Erbar vnd wol =
weiser Heinricus Lavrentii [/b[do =
mals eltister Bürgermeister Ge =
richts Assessor vnd dieser kir =
chen eltister Provisor alhie ist
nach dem willen Gottes seh =
liglich im Herrn entschlaffen
den 10. Aprilis Anno 1600
Seines alters 59. Gott sey e̅s
armen Sünders alle gnedig.

Gott sey danck der vns den Sieg
gibt, durch vnsern Herrn Jhe =
sum Christ. I. Corinth. 15.

Anmerkung:
Lieselott Enders greift in ihrem Werk „Die Altmark“ auf S. 1011 bzw.1020 die wirtschaftliche Situation der Eheleute Lorenz als Beispiel für den städtischen Wohlstand vor dem 30jährigen Krieg in Gardelegen auf: „Ganz anders gestellt war die Witwe des Bürgermeisters Heinrich Lorenz in Gardelegen, Catharina Jacobs. 1602 verkaufte sie altershalber ihrem Vetter Claus Jacobs, den sie von Jugend auf bei sich gehabt und erzogen hatte, Haus und Hof und die dazugehörigen beiden Buden, Scheune, Ställe und Brauhaus am Viehmarkt Ecke Magdeburger Straße samt allem Braugerät und Inventar für 1.700 fl à 24 lüb. ß; außerdem eine halbe Hufe auf dem Saltzschen Felde, drei Pferde und alles Ackergerät für 500 fl, in Summa also 2.200 fl. Sie behielt sich auf Lebenszeit die Bude an der Magdeburger Straße vor, eine besondere Tür und freien Ein- und Ausgang zu dem rechten Hause, die gewölbte Kammer zum Schlafen und Aufbewahren des Ihren, auf dem Hof einen Mistkoven für zwei Schweine, den freien Trank an Bier für sich und ihre Magd aus des Käufers Keller, der ihr unverschlossen bleiben sollte. Claus Jacobs versprach Ehrerbietung, Freundschaft, Dankbarkeit und die Erfüllung ihres Wunsches, daß nach ihrem Tod der Leichnam aus dem rechten Hause getragen und ihr die letzte Ehre und Begängnis erzeigt werde.“
„In der Wohnstube des verstorbenen Bürgermeisters Heinrich Lorenz in Gardelegen und seiner Frau Catharina Jacobs hing, als sie das Haus 1602 ihrem Vetter übergab, je ein Porträt des Ehepaars, auch das ein Zeichen des Selbstwertgefühls von Rats- und Patrizierfamilien im damals noch wohlhabenden Gardelegen und sonst wohl noch ziemlich rar“

Lage:
Die Grabplatte liegt im Chor der Marienkirche auf der Südseite. Ihr oberes Ende weist nach Westen.

Foto:
Frank Moldenhauer, Magdeburg 2017